Literarisches Zürich

Rainer Bürgi-Näf

 

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Der Herbst meldet sich an.

Die ersten Nebelschwaden ziehen am Morgen durch die Altstadt. Der Sommer meldet sich langsam ab - und er war gar nicht so schlecht, wie viele meinen. Ich liebe den Herbst in Zürich. Nach leicht nebligen Nächten meldet sich ein strahlender Tag mit tiefblauem Himmel, wie es nur im Herbst sein kann, oder aber Nebelschwaden hüllen Zürich in ein melancholisches Licht. Und da komme ich nicht umhin, an die Gedichte von Hermann Hesse zu denken. Der Meister der melancholischen Lyrik - wie ergreifend sind doch seine Verse! 

 

Mittag im September

 

Es hält der blaue Tag


Für eine Stunde auf der Höhe Rast.


Sein Licht hält jedes Ding umfaßt,


Wie man's in Träumen sehen mag:


Daß schattenlos die Welt,


In Blau und Gold gewiegt,

In lauter Duft und reifem Frieden liegt.

 

- Wenn auf dies Bild ein Schatten fällt! -

 

Kaum hast du es gedacht,


So ist die goldene Stunde


Aus ihrem leichten Traum erwacht,


Und bleicher wird, indes sie stiller lacht,


Und kühler wird die Sonne in der Runde    

 

Hermann Hesse kam seit 1923 regelmässig nach Zürich, war zur Kur in Baden oder zur Psychoanalyse bei C.G. Jung in Küsnacht. Wenig bekannt ist, dass 1943 das "Glasperlenspiel" in Zürich publiziert wurde und dass Hesse dafür den Gottfried-Keller-Preis erhielt. Es schrieb zu seinen Zürcher Jahren später folgendes:

 

"Ich habe in den sieben Jahren in Zürich wohl ebenso Wichtiges erlebt wie in Montagnola und auch viel gearbeitet. Mehr als die Hälfte von dem, was ich seit 1925 geschrieben habe, ist in den Zürcher Wintern entstanden. Und wenn ich diese Werkstätte und Zuflucht nicht gehabt hätte, und nicht Euch und einige Freunde, so hätte ich diese Jahre nicht so überstehen können, dass ich ihrer jetzt in Dankbarkeit gedenken kann."

 

 

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